Bericht: Unser Weg zum Schein

Letztes Jahr haben unter anderem unsere beiden ehemaligen Segelflug und Motorsegler Flugschüler Marc und Chris ihre Ausbildung abgeschlossen. Die beiden hatte ihre Ausbildung gemeinsam Anfang 2015 begonnen und innerhalb von2 Jahren haben die beiden sich die Segelflugpiloten Lizenz geholt und obendrein noch die darauf aufbauende Ausbildung zum Motorsegler Piloten (TMG) absolviert.

Wir haben die zwei gefragt, ob sie vielleicht Lust haben einen Bericht über ihre ersten beiden Jahre im LVR zu schreiben - hatten sie! Und hier gehts dann zu ihrem spannendem Bericht:

 

Hallo,


wir sind Chris und Marc und kommen aus dem beschaulichen Wannweil. Seit nunmehr anderthalb Jahren sind wir Mitglieder beim LV-Reutlingen und fliegen was das Zeug hält! Begonnen hat alles damit, dass wir uns bei einem kühlen Bier bei Chris im Garten über die vergangene Woche ausgetauscht haben. Marc war bei einem Freund aus Schulzeiten im Motorsegler mitgeflogen und hellauf begeistert.

 

Im Januar 2015 wagten wir den Schritt und betraten die Werkstatt im Industriegebiet Laisen in Reutlingen. Wir wurden direkt freundlich begrüßt und man erklärte uns die Möglichkeit eine Schnuppermitgliedschaft zu durchlaufen. Die Schnuppermitgliedschaft bietet die Möglichkeit, den Verein unverbindlich kennenzulernen, die Flugausbildung beginnt jedoch unmittelbar. Wir hielten dies für sehr sinnvoll und schnupperten los. Noch am selben Abend konnten wir durch die Werkstattarbeit einen interessanten Einblick in die Technik der Flugzeuge erhalten. Unser Interesse war geweckt, sodass wir ab diesem Zeitpunkt regelmäßig in der Werkstatt anzutreffen waren. Ob Polieren, Schleifen, Harzen oder Lackieren, wir lernten die Methoden kennen, um ein Flugzeug wieder auf Vordermann zu bringen. Die Flugzeuge werden jährlich vor Saisonbeginn durch einen Prüfer abgenommen und werden deshalb minutiös gepflegt. Hatten wir Fragen, standen uns stets kompetente Vereinskameraden zur Seite. Dabei haben wir gemerkt, dass Sie sich über unser Interesse stets freuten.Chris erzählte daraufhin, dass er bereits überlegt hatte den Flugschein zu machen, um die Theorie seines Studiums mit der Praxis zu verknüpfen. So kam eins zum anderen und im Verlauf des Abends fiel der Entschluss den Segelflugschein zu machen. 

Natürlich kribbelte es uns schon nach wenigen Wochen in den Fingerspitzen, nach der ganzen Werkstattarbeit wollten wir nun unbedingt in die Luft. Im März war es dann soweit und wir konnten trotz Kälte die ersten Platzrunden als Schnuppermitglied im Pilotensitz des Schulungsflugzeugs ASK21 drehen. Das war der Hammer! Durch die Fluglehrer, Piloten und fortgeschrittenen Schüler erlernten wir schnell, wie wir uns auf dem Flugplatz zu verhalten hatten. Gegenseitige Rücksichtnahme und klare Regeln sind im Luftsport sehr wichtig für die Sicherheit aller Beteiligten. Der Flugplatz befindet sich auf dem Übersberg in Pfullingen. Eher unerwartet kam der Eindruck, dass Segelfliegen ein Teamsport ist! Bis ein Flugzeug fliegt, ist einiges zu tun und alle müssen zusammen anpacken. Wir hätten nie gedacht, dass es so viele Leute braucht, um ein Segelflugzeug zu starten. Damit ein Flugschüler in die Luft kommt, braucht es: Fluglehrer, Starthelfer, Windenfahrer und Flugleiter. Man lernte sich immer besser kennen und das Verhältnis zu den Vereinskameraden wurde immer besser, die Jugend war immer mit von der Partie und es wurde eifrig geschult. Das Frühjahr bietet thermisch die besten Bedingungen. Die anfänglichen Platzrunden, um Starten und Landen zu üben, gingen deshalb mit stärker werdender Sonne auch in ausgedehntere Stundenflüge über. Sich ohne Motor oder sonstige Krafteinwirkung in der Luft zu halten und gerade die Herausforderung dabei, erhöhte unseren Eifer weiterhin. Jeder Start brachte uns nun einen Schritt näher an den Alleinflug, weshalb wir bei jedem Wetter das halbwegs „fliegbar“ war auf dem Übersberg dabei waren.

Im August war Fluglager, eine Mischung aus Urlaub und dem wohl besten Hobby der Welt! Dieses Jahr fuhren wir nach Schweinfurt auf einen Flugplatz, das Ziel wird jedoch jedes Jahr neu gewählt. Bei bestem Wetter flogen wir jeden Tag nach dem gemeinsamen Frühstück mit Briefing bis zum Abendessen. Natürlich besuchten wir alle gemeinsam zwischendurch auch mal den benachbarten Badesee zur Erfrischung. Das tägliche Fliegen verbesserte unsere Fähigkeiten ungemein, das regelmäßige Üben zahlte sich aus. Der erste große Schritt Richtung Schein, der Alleinflug, war damit kein Problem mehr! 

Bis spät in den Herbst versuchten wir, so oft wie möglich fliegen zu gehen um unsere Alleinflugkünste zu verbessern. Selbst das Wetter konnte uns nicht bremsen, erst bei widrigsten Bedingungen im Winter bevorzugten wir wieder die Werkstattarbeit. Die Werkstattarbeiten finden immer im Winterhalbjahr statt. Gegen Ende des Jahres findet im Anbau auf dem Übersberg eine Abschlussparty statt, um die Flugsaison gebührend zu verabschieden, es wird also nie langweilig! Während des Winters konnten wir das Sprechfunkzeugnis machen und uns mit dem Theorieunterricht durch unsere Fluglehrer auf die Prüfung vorbereiten.

Nachdem der Schnee im März die Piste wieder freigab und wir definitiv nicht mehr warten konnten, ging es wieder los. Im Verlauf des Frühjahres stiegen wir von der doppelsitzigen ASK21 auf den einsitzigen Junior um. Wir wagten uns weiter und weiter vom Flugplatz weg, blieben aber stets im Platztrichter. Dies bedeutet, dass man allein durch das Abgleiten der Höhe an die Landeposition zurückkommt. Das Gefühl ein Flugzeug alleine führen zu können ist genial! Erst nach dem Alleinflug wird einem bewusst, was man inzwischen kann. Wir machten weiterhin Fortschritte und nahmen nach der bestanden Theorieprüfung unser nächstes großes Ziel in Angriff: den 50km-Alleinflug. Im Fluglager war es soweit, Chris flog seine 50 Kilometer bei strammer Brise im Fluglager in Neustadt-Glewe. Kurze Zeit später flog Marc in heimischen Gefilden ebenfalls die 50 km und drehte dabei einen Kreis über dem Kloster in Zwiefalten.

Der Überlandflug dient dazu, den Schritt zu wagen erstmals den Platztrichter zu verlassen. Das kostet einiges an Überwindung, da man dann darauf angewiesen ist Thermik zu finden. Sonst bleibt einem nur eine Außenlandung übrig. Darauf wird man während der Ausbildung selbstverständlich auch vorbereitet.

Zuletzt war nur noch die praktische Prüfung zu absolvieren. An einem sonnigen Septembertag kam der Prüfer, der mit uns je zwei Runden flog. Trotz aller Aufregung bestanden wir, waren jedoch erstmal gegroundet. Da wir jetzt weder Flugschüler waren, noch einen Flugschein besaßen, mussten wir warten bis dieser per Post zugeschickt wurde.

Schon während unserer Ausbildung zum SPL (Segelflugschein) hatten wir uns ein weiteres Ziel gesteckt: die TMG-Berechtigung (Motorsegler). Zwei Wochen später -nach Scheinerhalt- ging es los. Nach der Einweisung in die Motortechnik, nahmen wir auf dem Pilotensitz der G109B Platz. Da wir mit dem fliegerischen schon einigermaßen vertraut waren und nun zusätzlich nur noch die Bedienung des Motors hinzukam, brauchten wir hier nur wenige Starts bis zum Alleinflug. Geplante Routen abfliegen zu können hat seinen Reiz, vor allem wenn die Thermik im Herbst zu schwach ist, um mit dem Segelflugzeug auf Strecke zu gehen. Relativ schnell schlossen wir gegen Ende des Herbsts auch diese Ausbildung ab.

Nun als Scheinpiloten ist es schön sich an die Anfänge zu erinnern. Wir haben es an keinem Tag bereut, mit dem Fliegen angefangen zu haben – es gibt nichts Vergleichbares. Im Verein fühlen wir uns inzwischen richtig angekommen und freuen uns auf die zukünftigen Jahre! Uns ist klar geworden, dass es jetzt nach Scheinerhalt erst so richtig losgeht und die Schulung nur der Einstieg war. Ob Streckenflug in die Alpen mit dem Segelflugzeug oder Motorseglertour nach Innsbruck, wir können es kaum erwarten. Für uns war es sehr hilfreich, immer am Ball zu bleiben. Das regelmäßige Schulen führte dazu, dass wir kontinuierlich Fortschritte machten und somit nie an einem Punkt festhingen. Ohne die Unterstützung aus dem Verein und unsere Motivation wären wir heute nicht da, wo wir jetzt sind. An dieser Stelle möchten wir uns sehr herzlich bei Euch, dem LV-Reutlingen, bedanken. Wir freuen uns auf die gemeinsame Vereinszukunft!

 

Holm- und Rippenbruch 

Chris und Marc