LVR vom Anfang bis heute

Die Geschichte des Segelflugs in Reutlingen geht bis auf das Jahr 1928 zurück. Damals flogen die Reutlinger Segelflieger mit meist selbstgebauten Gleitern vom Typ Zögling oder Hütter. Der Flugbetrieb fand damals auf den Schlattwiesen am Stadtrand von Reutlingen statt.

Am 3. September 1949 wurde dann die F.A.G. gegründet. Die Fliegerarbeitsgemeinschaft. Nur ungefähr ein Jahr später entstand daraus am 9. September 1950 der Luftsportverein Reutlingen. Am 2. Juni 1952 fanden die ersten Flüge nach dem Krieg statt. In den Jahren davor hatte der Verein schon seine erste Winde gebaut und einen Kranichgleiter aus der Schweiz gekauft und überholt. Im Herbst 1952 wurde dann auch ein einsitziges Übungssegelflugzeug vom Typ Grunau Baby II b rohbaufertig gekauft und in den folgenden Wintermonaten fertig gestellt.

Mit der Erweiterung der Stadt Reutlingen und dem Bau eines Naherholungsgebietes, sowie des Stadions, musste der LVR sein Fluggelände, die Schlattwiesen. verlassen und zog 1954 auf den Übersberg, einem Berg mit Hochplateau auf der Schwäbischen Alb, ungefähr 20 Autominuten von Reutlingen entfernt. Auf diesem Fluggelände war bald auch eine neue Flugzeughalle mit Stellplätzen für ca. 25 Flugzeuge gebaut. Noch während des Baus der Halle erhielt der LVR einen in Spanien gebauten Kranich II und eine Neukonstruktion, die Ka 8. Am 20. April 1958 fand der erste Großflugtag vor 25.000 Zuschauern auf den Schlattwiesen statt. Dadurch konnte ein neuer Doppelsitzer, eine Ka 7, finanziert werden. Anfang der 60er Jahre gab es den zweiten Großflugtag, letztmals auf den Schlattwiesen. Highlights des Programms waren u.A. eine Vorführung der amerikanischen Düsenjäger-Kunstflugstaffel "Sky-Blazars".

Am 22. März 1964 konnte der Luftsportverein endlich auch seine neue Fliegerwerkstatt beziehen, die zuvor in Eigenregie neu erbaut wurde. In den nächsten Jahren gelangten auch zwei neu Flugzeuge in den LVR, eine Ka 6 CR sowie ein Ka 6 E. Mit diesen neuen Hochleistungsflugzeugen nahmen 1968 erstmals zwei Mannschaften des LVR am internationalen Hahnweide Wettbewerb teil. Im Juli desselben Jahres traf das ein Jahr zuvor bestellte "Traumschiff" Cirrus ein. Dieses Segelflugzeug war eines der ersten in der damals neuen Kunststoffbauweise und brachte einen erheblichen Leistungssprung gegenüber den herkömmlichen Holzflugzeugen.

Anfang der 80er begeisterten die Fliegerbergfeste von 1980 und 1982 Tausende von Zuschauern auf dem Übersberg. Höhepunkte waren Schauflüge von Kampfflugzeugen aus dem 2 Weltkrieg und die Kunstflugstaffel Patrouil Martini. Im September 1990 fand ein weiterer großer Flugtag auf dem Übersberg statt. Hauptattraktionen war diesmal eine Ju 52 der schweizerischen Ju-Air. Im Laufe dieses Festes wurde auch der neu gekaufte Hochleistungsdoppelsitzer vom Typ DG 500/22 getauft. Nicht mehr wegzudenken ist auch der seit 1989 alle 2 Jahre ausgetragene Übersberg Segelflugwettbewerb. Durch die für solche Segelflugwettbewerbe eher ungewöhnliche Verwendung des Windenstarts wird die Teilnahme wesentlich günstiger als bei vergleichbaren Wettbewerben und so kommt es, dass der Übersberg Wettbewerb besonders bei jüngeren Segelfliegern sehr beliebt ist.

Im Jahr 2010 stand ein weiterer großer Schritt in der Flugzeugerweiterung an: der LVR stieg in die Turboklasse ein, was bedeutete, dass erstmals ein Segelflugzeug mit Hilfsklapptriebwerk Eigentum des Vereins war. Der Arcus T bekam natürlich das amtliche Kennzeichen D-KLVR und bereitet seitdem allen Piloten große Freude und viele neue Erfahrungen.

Momentan hat der Luftsportverein Reutlingen ungefähr 150 aktive und passive Mitglieder. Der Verein ist in zwei Abteilungen unterteilt, der Segelfliegerabteilung und den Motorseglern. Den Segelfliegern stehen heute 7 moderne Segelflugzeuge sowie der Segelflug-Oldtimer Ka6E zur Verfügung, die Motorseglerabteilung hat 2 Motorsegler.

Zum Schleppen haben wir eine ca. 300 PS starke Winde, die im Eigenbau erstellt wurde. Damit können wir auf unserem 1200m langem Flugplatz Schlepphöhen von ungefähr 400 m erreichen. 2004 stellten wir von schweren Stahlseilen auf leichte Kunststoffseile um, die sich entgegen Meinung mancher Vereine sehr bewährt haben, was rückläufige Seilrisszahlen bezeugen.

Seit 1999 haben wir auch die Genehmigung Flugzeugschlepps mit Motorseglern durchzuführen, wobei die Starts auf 300 pro Jahr wegen der nahen Siedlung Göllesberg begrenzt sind.


Vielen Dank an Holger N. Schubert, der die Grundlage für diesen Artikel lieferte.